Nahwärmeversorgung Kaffeegasse in Salach

undefined Staatssekretär Mappus (v.li.), Mdl Seimetz, Papierfabrik-Geschäftsführer Helbig u. Bürgermeister Ilg beim Lokaltermin

Nahwärme unter Dampf

Energie/Land will "einmaliges Projekt" in Salach fördern. Staatssekretär sagt bei Besuch "namhaften Zuschuß" zu

Salachs Bürgermeister Bernhard Ilg dürfte es am Freitag ganz warm ums Herz geworden sein: Stefan Mappus, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg hat dem Schultes zugesagt, das geplante Nahwärmeversorgungs-
konzept für das Sanierungsgebiet "Kaffeegasse" mit einem "namhaften Zuschuss" zu unterstützen.

Auf Initiative des CDU-Landtagabgeordneten Hermann Seimetz war der Staatssekretär am Freitag vormittag zu einem Besuch nach Salach gekommen und gleich von dem Projekt der Gemeinde sehr angetan:" Was sie da vorhaben, hat nicht nur Seltenheitswert, sondern ist auch einmalig im Land". Tatsächlich unternimmt die Gemeinde nicht nur den
Versuch, im Sinne der Lokalen Agenda 21 ein modellhaftes Projekt in Angriff zu nehmen, sondern auch, wie Rathauschef Bernhard Ilg betonte, die mitunter gegensätzlichen Sparten Wirtschaft und Umwelt unter einen Hut zu bringen ("Die Papierfabrik hat uns gleich die Hand gereicht").
Nachdem man sich schon lange vergeblich Gedanken gemacht hatte, wie man die großen Energie-
potentiale der Salacher Papierfabrik für das benachbarte Sanier-
ungsgebiet "Kaffeegasse" nutzen könnte, brachte ein Geistesblitz des Salacher Diplomingenieurs für Versorgungstechnik Thomas Herp den Durchbruch:
Aus den stündlich über 30 Tonnen 120 bis 140 Grad heißen Dampfes, den die Papierfabrik für die Fertigung benötigt, wird durch einen Wärmetauscher im Kamin 80 bis 85 Grad heißes Heizwasser für die Brauchwasser- und Wärmeversorgung des Sanierungsgebietes gewonnen. 90 Prozent der im Endausbau vorgesehenen 120 Wohneinheiten können so ohne zusätzliche Kohlendioxidemissionen aus der Abwärme des Unternehmens versorgt werden.
Einziges Handicap dieses Modells war bisher der auf zehn Jahre projektierte Ausbau des Sanierungs-
gebietes. Die gleich am Anfang notwendigen hohen Investitionen (1,037 von insgesamt 1,35 Millionen Mark) schlagen auf den Wärmepreis stark durch. "Der große Nutzen kommt erst bei einer weiteren Bebauung." Falls aber gleich zu Beginn ein Zuschuß von 800 000 Mark fließt, könnte der für das zehnte Jahr (ohne Zuschuß) berechnete günstige Preis von 22,21 Pfennig pro Kilowattstunde von Anfang an fast halbiert werden. Angesichts solcher wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Perspektiven riet der Staatssekretär der Gemeinde gleich einen Förderantrag zu stellen. Bereits in der heutigen Sitzung des Landeskabinetts, bei dem zufällig auch das Thema Klimaschutz auf der Tagesordnung steht, will Mappus für das Salacher Projekt werben.
Hermann Seimetz ("Dieses landesweit einmalige Modell rechtfertigt eine Ausnahmeförderung") war sich sicher, daß ein Zuschuß in der Größenordnung von einer halben Million Mark nicht unrealistisch ist.