Nahwärmeversorgung Kaffeegasse in Salach

Salach hofft auf Öko-Schnäppchen

Energiesparen/Abwärme der Papierfabrik könnte künftig Kaffeegasse "aufbrühen". Findiger Ingenieur entwirft Versorgungs-Konzept - Pläne werden zur Zeit geprüft

Dicke Dampfwolken steigen aus dem Kamin der Papierfabrik Salach. "Mit dieser Energie muß man doch etwas machen können," dachte sich der Ingenieur Thomas Herp. Man kann: Und zwar das neue Wohngebiet Kaffeegasse beheizen.

Für diese Idee schwärmt man in Salach schon länger: Der Gasverbrauch der Papierfabrik entspricht 85 Prozent des Gasbedarfs in der ganzen Gemeinde. So wurden Fachleute damit beauftragt, die Sache zu untersuchen; auch das Unternehmen zeigte sich aufgeschlossen und stellte sämtliche Daten der tech-
nischen Anlage zur Verfügung.
Aber egal wo man das Projekt anpackte: Bei den UV-Trocknungsgeräten, anderen Maschinen, nirgends wollte es so recht klappen. Der "apparative Aufwand" für eine Nutzung sei zu hoch, so das Fazit.
Bis der Salacher Ingenieur Thomas Herp sich um die Energieplanung des Sanierungsgebiets Kaffee-
gasse bewarb und die Sache noch einmal unter die Lupe nahm. "Ich war gerade im Keller der Papier-
fabrik und wollte schon einpacken, da ging bei mir die Osram auf," lacht der Ingenieur. In die Kamin-
anlage der Papierfabrik wird ein Wärmetauscher eingebaut, der die restliche Energie im Abgas an das Heizwasser der Nahwärmeversorgung überträgt. 30 Tonnen Dampf pro Stunde an über 8000 Stunden im Jahr erzeugt die Kesselanlage des Unternehmens; etwa 650 Kilowatt Leistung wären damit zu er-
zielen; 65 Prozent des gesamten Heizbedarfs des Wohngebiets wären damit gedeckt. Für den Rest, für Ausfälle und für Spitzenzeiten ist eine zusätzliche Heizzentrale vorgesehen. Damit ist die Versorgung auch dann gesichert, wenn die Papierfabrik nicht mehr produzieren würde. Der Anschluß der einzel-
nen Gebäude erfolgt wie bei Wasser, Strom oder Gas über eine Hausanschlußleitung. Die Kosten hielten sich dabei im Rahmen.
"Damit können pro Jahr etwa 320 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid eingespart werden," freut sich Bürgermeister Bernhard Ilg über die ökologischen Vorzüge. Das entspricht etwa dem Ausstoß von 120 Reihenhäusern mit Gasheizung. Um einen vergleichbaren Einspareffekt zu erzielen, müßten 800 Solaranlagen für das Aufheizen von Brauchwasser aufgestellt werden.
So würden alle profitieren, die Gemeinde, das Unternehmen, die künftigen Kaffeegässler und ganz besonders die Umwelt. Allerdings nur, wenn auch die Kasse stimmt: "Die Wärmeversorgung mit diesem innovativen Konzept darf freilich nicht zu teuer kommen," betont Bürgermeister Ilg, "wir wollen hier ja preisgünstigen Wohnraum für junge Familien schaffen." Deshalb wird jetzt die ganze Sache im Detail noch einmal durchgerechnet. Pi mal Daumen geht Thomas Herp dabei von Gesamtkosten in Höhe von 1,2 bis 1,5 Millionen Mark aus.