Die Vergabearten im Überblick

a) Beschränkte Ausschreibung
    (europaweit: „nicht offenes Verfahren“)

Bei der beschränkten Ausschreibung wird eine bestimmte Anzahl von Unternehmen, die eine der Aus-
schreibung entsprechende Leistung anbieten, vom öffentlichen Auftraggeber zur Abgabe eines Ange-
bots aufgefordert. Der Wettbewerb ist hier eingeschränkt, da das Unternehmen dem öffentlichen Auf-
traggeber schon bekannt sein muss. Die Auftragsberatungsstelle kann Hilfestellung bei der Auswahl der anzuschreibenden Unternehmen bieten.

b) Freihändige Vergabe
    (europaweit: „Verhandlungsverfahren“)

Bei der freihändigen Vergabe werden ausgewählte Unternehmen, die eine der Ausschreibung ent-
sprechende Leistung anbieten, vom öffentlichen Auftraggeber zur Abgabe eines Angebots aufge-
fordert. Der Wettbewerb ist stark eingeschränkt, insbesondere weil die sonst üblichen Formvor-
schriften hier nicht beachtet werden müssen. Die infrage kommenden Unternehmen müssen dem öffentlichen Auftraggeber bereits im Vorfeld bekannt sein und mit diesem regelmäßig in Verbindung
stehen.
Anders als das nicht offene Verfahren ist das Verhandlungsverfahren keine bloße Abweichung vom
offenen Verfahren, sondern eine grundsätzlich andere Verfahrensart. Sie definiert sich durch die Zulässigkeit von Preisverhandlungen mit dem Bieter. Im Gegensatz zum offenen und nicht offenen Verfahren liegt dem Verhandlungsverfahren ein nicht förmliches Verfahren zugrunde. Im freihändigen Ausschreibungsverfahren werden Unternehmen formlos durch den öffentlichen Auftraggeber zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. Es dürfen jedoch nur Unternehmer aufgefordert werden, die über die zur Ausführung des Auftrags erforderliche Fachkunde, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit verfügen. Deshalb kann der öffentliche Auftraggeber vom Unternehmer die erforderlichen Eignungs-
nachweise verlangen. Es gibt keine Vorschrift über eine eventuelle Mindestanzahl der zur Angebots-
abgabe aufzufordernden Unternehmer beim Verhandlungsverfahren ohne öffentliche Vergabebekannt-
machung. Jedoch sollten gemäß Empfehlung der Landesverwaltung auch hier mehrere Bewerber am Verfahren beteiligt werden, um den Wettbewerbsgrundsatz Folge zu leisten. Die Unternehmen geben dann das Angebot ebenfalls formlos ab. Dieses wird dann vom öffentlichen Auftraggeber geprüft. Auch der Zuschlag kann formlos erteilt werden.
Für das Verhandlungsverfahren bei freiberuflichen Leistungen beträgt nach bisher geltendem Recht die Eingangsfrist für Anträge 37 Tage (beginnend mit dem Tag der Absendung der Bekanntmachung).
Hinweis: Die EU-Kommission hält gemäß aktuellem Beschluss vom Dezember 2008 für die Vergabe von Liefer- und Dienstleistungsaufträgen nach VOL/A sowie von Freiberuflichen Leistungen nach VOF die Anwendung der beschleunigten Verfahren ohne Nachweis eines Ausnahmetatbestands für gerecht-
fertigt.

c) Allgemeines: Öffentlicher Teilnahmewettbewerb

Um den Bewerberkreis zu erkunden, kann der öffentliche Auftraggeber im Vorfeld einen öffentlichen Teilnahmewettbewerb durchführen. Durch den Teilnahmewettbewerb wird die geplante Auftrags-
vergabe öffentlich bekannt gegeben und alle interessierten Unternehmen können Anträge auf Teil-
nahme stellen. Der öffentliche Auftraggeber wählt dann unter Beachtung der allgemeinen Vergabe-
grundsätze aus diesen Bewerbern diejenigen aus, die zur Abgabe eines Gebots aufgefordert werden.

Verfahrensablauf:
Nach der Veröffentlichung des Teilwettbewerbs durch den öffentlichen Auftraggeber in den Aus-
schreibungsmedien können Anträge auf Teilnahme am Wettbewerb bei der Vergabestelle gestellt werden. Nach der Auswertung der Anträge werden die Bewerber bei Interesse durch die Vergabe-
stelle zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. Für die Einreichung von Teilnahmeanträgen muss eine ausreichende Frist eingeräumt werden. Die Vergabestelle wird die Angebote erst mit Ablauf der für ihre Einreichung festgelegten Frist öffnen. Sind die Angebote ordnungsgemäß und fristgerecht einge-
gangen, werden sie auf Vollständigkeit sowie auf fachliche und rechnerische Richtigkeit geprüft. Der Zuschlag wird in der Regel schriftlich erteilt und gilt gleichzeitig als Vertragsabschluss. Gegebenenfalls kann zusätzlich eine besondere Vertragsurkunde ausgefertigt werden.

Kosten/Leistung
Für die Bearbeitung des Angebots werden keine Kosten erstattet. Verlangt jedoch der Auftraggeber, dass der Anbieter Entwürfe, Pläne, Zeichnungen, Berechnungen oder andere Unterlagen ausarbeitet, ist einheitlich für alle Bewerber eine angemessene Kostenerstattung zu gewähren.

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