Neubau Staufers-Einkaufsmarkt, Göppingen

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Neuer Staufers Einkaufsmarkt in Göppingen-Jebenhausen

Gute Architektur in Verbindung mit einem effizienten Energiekonzept, so lautete der Wunsch des Bauherrn.

Entstanden ist ein optisch und energetisch gelungenes Bauwerk, das nicht nur durch sein Äußeres, sondern auch durch seine inneren Werte besticht. Für die Konsumgenossenschaft Göppingen haben die Herp Ingenieure, gemeinsam mit dem Architekten Klaus von Bock, ein nachhaltig umweltschonendes Energiekonzept realisiert. Der Edeka-Markt vermeidet durch den konsequenten Einsatz regenerativer Energiesysteme rund 80 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr und setzt damit neue Maßstäbe.

Auf 1.100 m² überzeugt der neue Lebensmittelmarkt zunächst durch das anspruchsvolle Sortiment und die kundenfreundliche Präsentation der Produkte. Neben der offenen und freundlichen Architektur mit hohen, lichtdurchfluteten Decken und einer stilvollen Dach-Holzkonstruktion verfügt das Gebäude über eine innovative und hocheffiziente Technik.

Das gesamte Gebäude wird völlig ohne fossile Brennstoffe mit Energie versorgt. Das von den Herp Ingenieuren entwickelte Konzept hat zwei wesentliche Merkmale, die in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen werden: Die Umwelt wird nachhaltig geschont und die laufenden Betriebskosten betragen nur einen Teil der sonst übliche Kosten.

Dazu wurde ein Verbund zwischen Wärme und Kälte hergestellt. Um diesen Kreislauf optimal auszunutzen, wurden unter dem Parkplatz, in rund zwei Metern Tiefe, auf insgesamt 400 Metern Länge Energiegräben eingebaut. Das waagrecht im Boden liegende Rohrsystem hat eine Gesamtrohrlänge von 2.400 Metern und entzieht dem Erdreich großflächig Wärme. Der Energietransport vom Erdreich in das Gebäude und umgekehrt erfolgt über ein umweltfreundliches, durch die Rohre fließendes Wasser-Sole-Gemisch.
Vorrangig wird das Gebäude mit der Abwärme der Kälteanlage beheizt. Diese Abwärme ist quasi ein "Abfallprodukt", das beim Kühlen der Kühlräume und der Kühlmöbel entsteht. Im Winter, bei Frosttemperaturen, wird zusätzlich Energie aus dem Erdreich zur Wärmepumpe transportiert, auf eine höheres Temperaturniveau "gepumpt" und von dort in das Heizungssystem eingespeist.

Das mit Abwärme aus der Kühlanlage und - soweit erforderlich - über die Wärmepumpe erwärmte Heizungswasser fließt direkt durch die Rohre, die im Fußboden des Gebäudes einbetoniert sind. Damit wird der  Betonboden erwärmt, der wiederum die Wärme über die gesamte Fläche des Verkaufsmarktes abgibt. Diese Betonkernaktivierung funktioniert ähnlich wie eine Fußbodenheizung, hat aber den Vorteil, dass der Betonboden mehr Speichermasse bietet. Während der Übergangszeit und im Sommer wird die überschüssige Abwärme der Kälteanlage direkt in das Erdreich unter den Parkplatz abgeleitet und hier für den kalten Winter "zwischengespeichert". Das Sole-Wasser-Gemisch wird dabei abgekühlt und vermindert somit außerdem den Energiebeadarf der Kälteanlage. Zusätzlich kann damit das Gebäude im Sommer über die Betonkernaktivierung und die Lüftungsanlage effizient temperiert werden.

In der Übergangszeit, wenn die Außentemperatur niedriger ist als die Temperatur im Erdreich, wird die Kühlflüssigkeit der Kälteanlage zusätzlich über einen auf dem Gebäudedach installierten Rückkühler geleitet. Diese Abkühlung des Mediums vermindert nochmals den Stromverbrauch der Kälteerzeugung. Damit das gesamte System wie geplant funktioniert, wurde ein intelligentes Gebäude-Automationssystem programmiert und installiert. Dieses System wählt automatisch den am meisten Energie sparenden Betriebsmodus aus. Konsequenterweise wird neben der Erdwärme und der Abwärme aus dem Kältesystem auch solare Energie genutzt. Zu diesem Zweck wurde auf dem Dach des Gebäudes eine Photovoltaikanlage mit 46 kWp elektrischer Leistung installiert. Der damit CO2-frei erzeugt Solarstrom wird in das öffentliche Netz eingespeist und an das Elektrizitätsversorgungsunternehmen verkauft.

Im gesamten Verkaufsraum sorgt eine Lüftungsanlage mit integriertem Wärmerückgewinnungssystem für ein angenehmes Raumklima. Eine Überdrucksanlage im Bereich der Wurst-, Fleisch-, Käse- und Fischtheke stellt optimale hygienische Luftverhältnisse sicher. Alle Ventilatoren sind mit hocheffizienten Energiesparmotoren ausgestattet. Alle Tiefkühlregale verfügen über dämmende Glasschiebedeckel. Damit wird der Kältebedarf zusätzlich um 50 bis 70 % gesenkt. Mit der Kombination von Erdwärme, Wärme-Kälte-Verbund, Wärmerückgewinnung, Betonkernaktivierung und Photovoltaik werden pro Jahr rund 80 Tonnen CO2-Emissionen vermieden. Damit wird der Schadstoffausstoß im Vergleich zu einem konventionellen Energieversorgungssystem in etwa halbiert. Gleiches gilt für die laufenden Betriebskosten. Dieses Beispiel zeigt anschaulich, dass sich regenerative Energiesysteme auch bei höheren Investitionskosten wirtschaftlich lohnen.

Technische Daten:

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  • 1.100 m² Verkaufsfläche
  • Geothermie-Anlage mit
    400 Meter Energiegräben (Rohrlänge 2.400 m)
  • Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung
    und Energiesparmotoren 8.000 m³/h
  • Umluftgerät als Überdrucksanlage 2.000 m³/h
  • Kälteanlage mit Wärmerückgewinnung
  • Wärmepumpe mit 100 kW Leistung
  • Photovoltaikanlage mit 46 kWp
  • Betonkernaktivierung auf einer
    Fläche von 1.000 m²
  • CO2-Minderung pro Jahr: 80 Tonnen
  • Minderung der Betriebskosten um 40 bis 50%


Hier geht's zu Artikel in der Broschüre der Konsumgenosenschaft Göppingen eG...